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Johannes Stumpf

Biografisches: Stumpf wächst auf in Bruchsal (Baden-Württemberg, 20km nördlich von Karlsruhe) Er ist geprägt durch seinen sehr strengen Vater, Gerber und Bürgermeister in Bruchsal. Für ihn ist klar, dass sein Sohn Priester werden muss. Er schickt ihn darum an die Lateinschule (Gymnasium) in einem Nachbarort. Damit er den Ernst des Lebens kennenlernt, muss Klein-Johannes sich den Lebensunterhalt aber selbst zusammenbetteln. Weil er zu scheu ist dafür, flüchtet er aufs Land zu seiner Grossmutter und hütet dort die Schafe. Später kehrt er an die Schule zurück, macht das Abitur und studiert gemäss dem Wunsch des Vaters Theologie an der Uni Heidelberg. Dort begegnet er 1518 Martin Luther, der ihn sehr fasziniert. Entgegen der Befürchtungen des Vaters bleibt Johannes aber zunächst der kath. Kirche treu, tritt 1521 dem Johanniterorden bei und lässt sich 1522 in Basel zum Priester weihen. 1522 wird er Prior im Ritterhaus Bubikon und bald darauf auch Dorf-Pfarrer. Stumpf nimmt sein Amt sehr ernst, so dass seine Ordensbrüder ihn verspotten wegen seiner Frömmigkeit und seinem züchtigen Lebenswandel. Stumpf wird zum Aussenseiter und hat viel Zeit, die Bibel zu lesen und sich erneut mit reformatorischen Gedanken zu beschäftigen. Zwingli mit seiner stark ethischen und sittlichen Ausrichtung beeindruckt ihn sehr. So schliesst Stumpf sich der Zürcher Reformation an. Für ihn ist der Übertritt zu den Reformierten eine «göttliche Fügung». Er kann sich damit gewissermassen von seinem Vater befreien und aus den Widersprüchen der Jugend lösen: Zwar wurde er dem Vater zuliebe Priester. Er litt aber unter der Veräusserlichung und Verlogenheit der damaligen Kirche. In der Reformation sieht er die Wiederherstellung des reinen und wahren christlichen Glaubens.
Stumpf im Theater: Stumpf leidet darunter, dass er vieles nicht ausleben konnte und kann, was er eigentlich will. Von Kind auf spurten ihm andere seinen Weg vor. Der Vater war so dominant, dass er nicht anders konnte, als Priester zu werden. Als sensibler Mensch mit einem hohen Gerechtigkeitssinn litt er enorm unter den Widersprüchen und Kompromissen der damaligen Kirche. Wie froh war Stumpf, dass er in Bubikon weit weg vom Vater war und sich der Reformation anschliessen konnte – für ihn die Lösung seiner grossen Widersprüche: Endlich konnte er echt und rein Christ sein – meinte Stumpf. So ganz geht es nämlich nicht auf: Die neue Lehre kann keinen neuen Menschen aus ihm machen. Stumpf bleibt ein hoch strukturierter Mensch mit der Tendenz zu Gesetzlichkeit und Formalismus. Es fehlt ihm an unbekümmerter Neugier und Originalität. So ist es nicht verwunderlich, dass sein Hauptwerk, die Schweizer Chronik, im Wesentlichen aus der Abschrift und Fertigstellung einer Arbeit seines Schwiegervaters besteht. Auch seine Beziehung zu Regula Brennwald war nie ein Abenteuer: Die Heirat war ein reiner Vernunftentscheid. Stumpf wäre blöde gewesen, wenn er diese für ihn als Deutschen einmalige Gelegenheit zum sofortigen Aufstieg in die führende Klasse Zürichs ausgeschlagen hätte. Immerhin hat Stumpf mit Regula aber grosses Glück: Sie ist eine kluge, warmherzige Frau, die ihre Anliegen immer mal wieder auch auf unkonventionelle Weise durchsetzt. Regula spielt denn auch die Schlüsselrolle dabei, dass Stumpf im Lauf des Theaters seine weichen, menschlichen Seiten entdeckt: Zu Beginn reagiert er aggressiv auf die Täufer und entwickelt einen eigentlichen Hass auf Martin. Die Täufer sind für ihn der Inbegriff eines unordentlichen, spontanen Christseins – nach dem er sich eigentlich zutiefst sehnt. Und irgendwo ganz tief drinnen fühlt sich Stumpf seinen Gegnern sehr verbunden: Wie er selbst orientieren sie sich allein an der Bibel. Und manches, was sie lehren, lässt sich genau mit der Bibel belegen: Die Erwachsenentaufe, die Gleichwertigkeit und Mündigkeit aller Menschen. Vielleicht verfolgen die Täufer ähnliche Anliegen wie Stumpf – aber das würde er niemals zugeben. Ebenso verhält es sich mit dem verhassten Martin. Martin hat viel die schlechteren Voraussetzungen für das Leben als Stumpf. Doch er lebt all das, was Stumpf versagt blieb: Er heiratet die Frau, die er liebt. Er lebt seine Überzeugungen – und hat gleichzeitig die Freiheit, diese zu revidieren. So verlässt Martin die Täufer, als sich die Umsätnde des Lebens verändern. Er hat zwar keinen Besitz, gerade damit bleibt er aber auch frei von falscher Sorge und von Ränkespielen. Ein grosser Teil der Aggression Stumpfs Martin ist damit verborgener Neid.
Zugleich hat Stumpf seine weichen Seiten. Eigentlich liebt er seine Gemeinde, die Dorfbevölkerung. Sie erinnert ihn an die schönste Zeit seiner Kindheit, wo er bei der Grossmutter Schafe hütete. Lasst die Kinder zu mir kommen. Zweimal predigt Stumpf zu diesen Worten von Jesus. Das erste Mal gebraucht er sie, um seine Gegner zu verurteilen. Das zweite Mal nimmt er sie zum Anlass, um seinen ehemaligen Erzfeind zu trauen und sein Kind zu taufen. Das Kind heisst Johannes – es ist gewissermassen das Bild für das Kind in Stumpf, das dank der Irrungen und Wirrungen um den Klostermord neu zur Welt kommen darf.

Ehefrau Regula Stumpf-Brennwald

Regula stammt aus einer alten Patrizierfamilie Zürichs. Wie damals üblich hat sie bei ihrer Heirat mit Johannes nichts mitzureden, aber sie macht als positiv denkende und zupackende Person das Beste aus ihrer Situation. Regula bildet den Gegenpol zu ihrem Ehemann. Wenn der wieder einmal Trübsal bläst, seine Gegner, die Täufer verflucht und das Strafgericht Gottes heraufbeschwört, erinnert sie Johannes daran, was Stumpfs bestem Freund Zwingli so wichtig war: Die Liebe und Güte Gottes, das Erbarmen, die Vergebung. So holt Regula Stumpf immer wieder aus seiner Schwermut heraus. Und im letzten Akt hilft sie ihm, seine weichen und kindlichen Seiten neu zu entdecken. Der Schlüsselmoment kommt da, wo sie ihn auffordert, er solle den Spitzensatz seiner Predigt, dass in Jesus Gottes Gerechtigkeit und Erbarmen in eins fallen, auch leben. Dabei handelt es sich um ein Herzstück von Zwinglis Theologie (Am Kreuz Jesu offenbart sich Gottes Gerechtigkeit als Barmherzigkeit). Regula hat einen guten Zugang zu den Menschen im Dorf. Ihr geht jegliche Arroganz und Überheblichkeit ab. Mit ihrer guten Menschenkenntnis versteht sie es auch bestens, dem lavierenden und taktierenden Landvogt Berger zu begegnen und ihn im letzten Akt quasi mit seinen eigenen Waffen Schachmatt zu setzen.

Kleinbauernsohn Martin Knecht

Martin wächst als Einzelkind in extrem schwierigen Verhältnissen auf. Der Vater verprasst als notorischer Säufer das wenige, was die Familie besitzt. Er ist für ihn weder Halt noch Vorbild. Die Mutter gibt ihr Bestes, kann aber keine Wunder vollbringen und ist derart belastet, dass sie ihrem Sohn keine wirklich Liebe schenken kann. Diese findet Martin bei der Grossbauerntochter Christine. Weil sie nahe beieinander wohnen, sind die beiden schon als Kinder oft zusammen. Im Lauf der Zeit wächst eine tiefe Liebe zwischen den beiden. Mit dem Eintritt ins Erwachsenenleben wird diese hochproblematisch. Da ist nicht nur das Problem der unterschiedlichen Stände, sondern auch die offene Frage, was Martin wirklich findet an Christine: Ist sie seine grosse Liebe – oder nur der Steigbügel zu einem besseren Leben? Für Martin ist der Fall klar: Christine wäre auch seine Traumfrau, wenn sie mausarm wäre. Christine ihrerseits braucht mehr Zeit, um sich von der Echtheit der Gefühle Martins zu überzeugen.

Grossbauerntochter Christine Hotz

Christine hat materiell nichts zu befürchten. Und sie hat bei ihrem Bruder Georg hautnah miterlebt, wie man als Kind reicher Eltern erwachsen wird: Der Vater suchte Georg einen geeigneten Job und eine passende Partnerin. Doch will Christine diesen Weg gehen? Eigentlich ist sie ein ernsthafter Mensch. Ihre Liebe zu Martin ist alles andere als ein leichtfertiges Spiel mit dem Feuer. So tobt in ihr ein heftiger Kampf an Gefühlen und Gedanken: Da ist ihre nicht ungetrübte Beziehung zum Vater. Längst hat sie seine verlogenen Seiten durchschaut. Sie verachtet sein Lavieren um des eigenen Vorteils willen. Wie sehr sich davon doch die geradlinige und ehrliche Art Martins unterscheidet! Christine fühlt sich ihrer Mutter Hildegard näher. Diese hat etwas von Regula Stumpf an sich: Zupackend und warmherzig. Ihre echte, gelebte Religiosität imponiert Christine ebenfalls. Aber zugleich sieht Christine, wie ihrer Mutter nichts bleibt, als sich in allem ihrem Mann zu fügen. So will sie nicht leben. Bei Martin findet sie viel mehr Achtung und Respekt als ihre Mutter bei ihrem Vater. Doch wenn Christine mit Martin eine Beziehung eingeht, wird der Vater sie garantiert verstossen. Und was, wenn sie sich in Martin täuscht?