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Aufrührerische Bauern und Bäuerinnen

Toni

Im besten Alter, zwischen dreissig und vierzig Jahren, nicht sehr glücklich verheiratet mit Ruth, die abgelebt und verhärmt ist, zwei überlebende Kinder (vier starben schon als Babys und Kleinkinder, was im 16. Jh. üblich ist). Weil es in seiner he harzt, hat er ein Auge auf Rös geworfen, wobei ihm klar ist, dass da aus gesellschaftlichen Gründen nichts zu wollen ist. Toni ist ein schlauer Kopf, der weiss, was er will. Aber die Verhältnisse sind nicht zu seinen Gunsten. Er und seine Familie gehören zu den Leibeigenen. So kann er so fleissig und umsichtig sein wie er will, wegen der hohen Abgaben wird er es nie auf einen grünen Zweig bringen. Er kann froh sein, wenn der kleine Hof die Familie einigermassen ernährt. Von der Reformation Zwinglis hat er sich eigentlich viel erhofft. Nun ist er bitter enttäuscht, weil sich nichts geändert hat. Als er Gleichgesinnte findet, welche das Kloster Rüti und das Ritterhaus stürmen wollen, übernimmt er die Rolle des Anführers.

Ruedi

Ruedi ist etwa im gleichen Alter wie Toni. Die beiden kennen sich von klein auf, wobei Ruedi der starke Wille und Ehrgeiz von Toni völlig abgeht. Ihm macht es nichts aus, dass sein jüngerer Bruder den elterlichen Kleinbauernhof übernahm, was automatisch bedeutet, dass Ruedi ledig bleibt, weil er die Mittel, eine Familie durchzubringen, niemals aufbringen kann. Das ist ihm aber egal; er scheut die Verantwortung, schlägt sich mit Gelegenheitsjobs als Knecht durch und geniesst jede Gelegenheit zum Saufen und süssen Nichtstun. Das ist auch seine Motivation beim Sturm auf das Kloster und das Ritterhaus: Hier fliessen Wein und Bier in Strömen. Das Politische ist ihm völlig egal.

Rös

Ist verheiratet mit dem Kleinbauern Fritz, einem totalen Waschlappen, der es nie wagen würde, sich am Sturm auf das Kloster zu beteiligen. Lieber bleibt er zuhause und krampft sich halb tot, um ein paar Taler zusammenzusparen. Die beiden überlebenden Töchter kommen ins heiratsfähige Alter, und die Familie ist daran, eine gute Partie für sie zu suchen. Rös ist recht frustriert und beneidet Trudy um ihre Freiheit. Im Gegensatz zu ihr ist sie Männern aber durchaus nicht abgeneigt. Sie hat ein Auge auf Toni geworfen (und er auf sie). Es bleibt aber bei harmlosen Flirts. Mehr leisten sich die beiden nicht. Zu sehr fürchten sie die gesellschaftlichen Konsequenzen.

Trudy

Ist ledig geblieben und arbeitet als Magd beim Grossbauern Walter Hotz. Es macht ihr wenig aus, dass sie damit als Frau gesellschaftlich kaum anerkannt wird. Sie wird von den anderen Frauen im Dorf akzeptiert und auch ein wenig beneidet wegen ihrer Unabhängigkeit. Trudy ist klug, schlagfertig und hat eigenständige Ansichten. Aus Männern macht sie sich rein gar nichts. Sie arbeitet, weil sie muss und liebt es, ihren Gedanken nachzuhängen und ihre Phantasie schweifen zu lassen.

Landvogt Jörg Berger

Berger erlangte das Amt als Landvogt dank seiner Herkunft aus einer führenden Zürcher Familie. Allerdings ist das Amt kein Traumjob, sondern das Sprungbrett für eine politische Karriere in Zürich (die der historische Berger tatsächlich macht). Berger ist denn auch ein Karrieremensch und äusserst begabter Taktierer. Es gelingt ihm, im Grüninger Amt die Bauern mit dem Versprechen zu beschwichtigen, dass er vor dem Rat in Zürich für sie eintrete. Dort macht er dann aber genau das Gegenteil und nötigt den Rat, konsequent durchzugreifen. Wie bei den Bauern verfährt Berger auch bei den Täufern mit Zuckerbrot und Peitsche. Dieses Lavieren ist ziemlich stressig für ihn. Stets muss er achtgeben, am richtigen Ort das Richtige zu sagen. Und dann sind da noch der Grossbauer Hotz, dem er es verdankt, dass er überhaupt noch im Amt ist (Hotz weiss Bescheid über Bergers zwielichtige Manöver. Packte er aus, würde es brenzlig für Berger) und Stumpf, der ihn nervt mit seiner Korrektheit und seinen ethischen Ansprüchen. Berger ist verheiratet und hat einen Sohn, der beim Militär Karriere macht.

Grossbauer Walter Hotz, Vater von Christine

Hotz ist stolzer Abkömmling einer Familie, die seit vielen Generationen zu den freien Bauern gehört, mit Mitte 40 nicht mehr der jüngste. Mit Fleiss und Bauernschläue ist es ihm gelungen, den schönen Hof zu halten und sogar etwas auszubauen. Er ist mit Hildegard verheiratet, einer verlässlichen Frau, die fleissig mit anpackt und sich ihm im Allgemeinen unterordnet. Dass sie sehr religiös ist, nimmt Berger hin, solange sie ihn damit nicht zu sehr belästigt. Die Reformation in Zürich stresst ihn eher. Die gesellschaftlichen Veränderungen findet er nämlich beunruhigend. Er weiss nicht so recht, wie er sich zu seinem Vorteil positionieren soll. Eigentlich wäre es ihm ganz recht, wenn sich nichts änderte und die freien Bauern eine kleine Minderheit blieben. Andererseits hat er Angst, dass er den Anschluss verpasst, wenn er sich nicht aktiv an den Neuerungen beteiligt. So geht er gerne auf den Wunsch seiner Frau ein, bei den Täufern mitzumachen. Die Täufer gewinnen rasch Einfluss, so dass es nicht schaden kann, sich gut mit ihnen zu stellen. Als dann aber Berger kommt und ihm mit Konsequenzen droht, hört er schnell mit seinem Engagement auf. Klar, er hätte Berger seinerseits mit seinem Wissen um dessen zwielichtige Machenschaften unter Druck setzen können. Aber das wäre in dieser politisch schwierigen Zeit unvorteilhaft gewesen. Am Ende hätten die Kleinbauern die Schwäche der Obrigkeit genutzt, Revolution gemacht und Berger wie Hotz wären weg vom Fenster. Hotz hat einen Sohn, Georg, der Metzgermeister in Rüti ist und die Tochter Christine. Georg ist schon recht, wenn auch vielleicht ein bisschen gar brav und rechtschaffen. Christine macht ihm dagegen grösste Sorgen. Einfach schrecklich, dass sie mit diesem Martin, dem Abschaum vom Abschaum, abhaut. Hotz hat Christine darum nicht nur enterbt. Für ihn ist seine Tochter gestorben.

Täuferinnen und Täufer


Sophie


Noch recht jung, ca. 30-jährig, aber seit einem Jahr kinderlos verwitwet. Nach dem frühen Tod ihres Mannes stand sie vor dem Scherbenhaufen. Sie, die vorher schon religiös war aber mit den Predigten der Pfarrer, insbesondere Stumpfs, wenig anfangen konnte, findet in dieser Krise Halt bei den Täufern. Sie nehmen sie auch als junge Witwe an, ohne sie gleich unter Druck zu setzen, sich wieder zu verheiraten. Als Frau durfte Sophie keine Schulbildung geniessen. Sie ist aber nicht auf den Kopf gefallen, setzt sich intensiv mit Glaubensfragen auseinander und hört genau hin, was die Männer auf der Kanzel erzählen.

Elisabeth

Noch jung und unverheiratet. Sie kennt Sophie als Nachbarin von Kindheit an und bewundert die wenige Jahre ältere sehr. Ihrerseits ist Elisabeth keine grosse Leuchte. Sie hat sich den Täufern wegen Sophie angeschlossen und ist froh, wenn diese ihr erklärt, worum es geht und den Weg vorspurt. Heimlich ist sie in Heiri verliebt, weiss aber nicht so recht, wie sie ihn auf sich aufmerksam machen könnte.

Peter

Peter ist durchaus wohlhabend. Er hat einen schönen Hof, etwas abseits gelegen, eine gute und tüchtige Frau und fünf Kinder. Peter war schon immer religiös und wollte mehr vom Glauben wissen, als in der Kirche erzählt wurde. Darum gehörte er zu den ersten, die sich den Täufern anschlossen. Den Glauben zu leben ist ihm ein grosses Anliegen. So bemüht er sich, ein guter Vater und treuer Ehemann zu sein, keinen Alkohol zu trinken, ehrlich, fleissig, rechtschaffen – und alles in allem vielleicht ein wenig langweilig. Gerade darum wettert er gerne mal gegen Leute wie Martin, die ein spannenderes Leben führen als er (was er natürlich niemals so offen sagen würde).

Heiri

Noch jung und unverheiratet. Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens wurde Heiri vor einem Jahr während eines Gottesdienstes bei Täufern ein eigentliches Bekehrungserlebnis zuteil, wo er die Liebe und Vergebung von Jesus Christus persönlich erfuhr. Seit damals ist Heiri ein überzeugter Christ mit dem glühenden Anliegen, überall, wo sich Gelegenheit bietet, von seinem Glauben Zeugnis abzulegen. Das bringt mit sich, dass er keine Zeit hat, an Frauen zu denken. So merkt er nicht, dass Elisabeth ein Auge auf ihn geworfen hat.

Weitere


Georg Hotz, Bruder von Christine


Als Sohn von Grossbauer Walter Hotz hatte Georg nie materielle Sorgen. Sein Vater ermöglichte ihm die Lehre als Metzger bei einem Meister in Rüti, der entfernt mit der Familie verwandt ist. In Rüti wurde auch die Ehe mit Susanne arrangiert, einer Tochter freier Bauern, welche eine so stattliche Mitgift in die Ehe brachte, dass Georg die Metzgerei seines Meisters nach dessen Tod problemlos übernehmen konnte. Georg hat grosse Freude an seinem Beruf und bringt den Betrieb zum Blühen. Dass die familiären Verhältnisse nicht gerade prickelnd sind und er und seine Frau sich eigentlich nichts zu sagen haben, stört ihn deshalb nicht gross. Er hat immer genug zu tun und weder Zeit noch Lust zur Musse und zum Genuss der schönen Seiten des Lebens. Hauptsache, Susanne schaut seinen beiden Söhnen gut, damit diese später einmal in die Metzgerei einsteigen können ... Im Gegensatz zu seinem Vater ächtet Georg seine Schwester Christine nicht. Er pflegt einen losen Kontakt zu ihr und Martin, wobei er schon nicht recht verstehen kann, warum Christine nur der Liebe wegen ein so armseliges Leben auf sich nimmt.

Susanne, Ehefrau von Georg

Susanne ist eine hübsche, jung gebliebene, vitale Frau, die sich nicht mit ihrer vorgegebenen Stellung abfinden kann. Die arrangierte Ehe mit Georg war ein Gräuel für sie, nicht, weil Georg besonders unattraktiv gewesen wäre. Das Arrangement widersprach ganz einfach ihrem unabhängigen Gemüt. Und so war Susanne ganz froh, dass Georg jegliches Interesse an ihr verlor, als die beiden Söhne auf der Welt waren und kaum mehr zuhause war. Das eröffnete ihr den Freiraum für ein eigenes Leben. Zufällig begegnete sie einmal im Herbst, als sie im Wald Pilze suchte, dem Mönch Remigius, welcher auf der Jagd war. Ihr wurde den Geistlichen gegenüber von Kind auf Respekt eingepaukt. So faszinierte es Susanne, dass Remigius ihr sofort das «Du» anbot und ein vertrauliches Gespräch begann. Endlich nahm jemand sie als Frau und als Persönlichkeit wahr. Rasch war es um sie geschehen. Und seither sucht sie mit Remigius jede erdenkliche Gelegenheit für ein Schäferstündchen.

Mönch Remigius

Remigius erlitt das Schicksal vieler Kinder aus Grossfamilien. Er wurde früh schon ausersehen, ins Kloster zu gehen, was der Familie Vorteile bei der Obrigkeit verschaffte. Dabei konnte Remigius nie viel mit dem Glauben anfangen. Das war allerdings beim damaligen Zustand der Klöster kein Problem. Ja, besonders seit er vor weit über einem Jahrzehnt ins Kloster Rüti wechselte, hat er sich bestens mit seinem Dasein als Mönch arrangiert. Und dass das Zürcher Oberland nun reformiert ist, bringt ihm sogar Vorteile: Die Dienste des Klosters sind nicht mehr gefragt. Er und seine beiden verbliebenen Mitbrüder haben nur noch eine einzige Aufgabe: Fleissig auf die Jagd gehen und Wildbret an die hohen Herren nach Zürich liefern. Remigius geht auch gerne auf Frauenjagd. Die hübsche Christine ist bei weitem nicht seine einzige Beute. Da kann sie lange von ewiger Liebe und Treue schwärmen. Ach, wie naiv die Frauen doch sind!